Ein hochbrisantes und aktuelles Thema beschäftigt unsere Sportler, Medien, Ärzte und Fachleute- Hirnerschütterungen. Im Eishockey kommen sie leider sehr oft vor aber auch in anderen Sportarten wie Fussball, Radsport, etc.

Die meisten Verletzungen beim Radfahren beruhen auf Fremdeinwirkung (ca. 60%) und der kleinere Teil auf Eigenschuld.

Beispiele für Eigenschuld wären risikoreiches Fahren, Fehlbeurteilung von Witterungen oder Situationen oder auch Übermüdung (ältere Studie von Dr. U. Burki). Im Eishockey sind  Checks gegen den Kopf eine der Hauptursachen. Swiss Ice Hockey hat mit der Kampagne Respect my Head eine sehr interessante und informative Brochure herausgegeben.

Ein Schädelhirntrauma (SHT) ist eine Störung de Hirnfunktion, welche durch eine direkte oder indirekte Krafteinwirkung auf den Kopf, Nacken oder Gesicht verursacht worden ist. Es ist auch möglich, dass ein starker Kraftstoss am Körper mit impulsartiger Weiterleitung an den Kopf weitergeleitet worden ist, und so ein SHT verursachen konnte. Das Gehirn knallt heftig an den Schädelknochen. Symptome sind z.B. Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel.

Es darf in diesem Fall nicht medikamentös eingegriffen werden! Zentral ist eine Früherkennung, um die geeigneten Massnahmen zu ergreifen. Die Aktivität muss sofort abgebrochen werden und der Athlet muss regelmässig überprüft werden und darf nicht alleine gelassen werden. Je nach Schweregrad (1-3)  muss der Arzt entscheiden, wann der Athlet wieder Sport machen darf. Oftmals orientieren sie sich an der Skala der „american academy of neurology concussion grading scale“.

Eine wichtige Information ist, ob der Athlet bewusstlos war oder nicht. Fatal ist ein sogenannter second impact. Wenn ein Sportler zu früh wieder aktiv wird und nochmals eine Hirnerschütterung bekommt, kann das zu Hirnschäden oder gar zum Tode führen. Mit dem geeigneten Tool „Return to play“ ist es möglich, die Athleten vorsichtig wieder für seine Wettkampfeinsätze vorzubereiten.

Dank diesem Therapiaufbauplan, kann das Risiko der Spätfolgen stark minimiert werden. Hier zitieren wir wieder aus der Brochure von Swiss Ice Hockey: “ In der NHL aber auch in der Schweiz mit dem so genannten ImPACT-Test jeweils schon in der Sommervorbereitung von jedem Spieler ein Test („Baseline“) durchgeführt.

Er wird wie ein Computerspiel am Bildschirm abgelegt und dauert etwa 25 Minuten. Die Ergebnisse werden gespeichert. Im Falle einer Hirnerschütterung wird dann ein neuer Computertest gemacht, welcher dann gut mit dem Ausgangstest verglichen werden kann. So kann je nach Schwere der Hirnerschütterung eine Veränderung in der Hirnfestplatte und ihrer Leistungsfähigkeit festgestellt und angezeigt werden. Mit Verlaufstests kann dann aufgezeigt werden, wann die Hirnfunktionen sich wieder voll erholt haben und eine Sportfähigkeit wieder sinnvoll ist“.

Prävention

Was können wir  präventiv im physiologischen Bereich unternehmen? Wir haben schon vor etwas mehr als zwei Jahren in Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten am SOMC in Magglingen ein Nackentraining entwickelt. Während der Spitzensport- RS haben wir dieses bei den Spielern eingeführt.

In einer ersten Phase geht es um die Nackenstabilisation, wobei auch die Augenbewegung und  Augenkontrolle eine Rolle spielt. In der zweiten Phase spielt dann die Nackenkräftigung eine Rolle.

Die Übungen stammen nicht selten aus dem Ringerbereich.Es soll hier gesagt sein, dass die beste Prävention aber über ein gutes Spielverständnis, resp. die Fähigkeit, Spielsituationen früh zu erkennen (Antizipation), gute periphere Sicht und „Head- up“ führt. Natürlich wäre dann noch das Bandenmaterial, das korrekte Helmtragen (inkl. Zahnschutz) und die Schiedsrichterarbeit anzufügen.

Es darf gar nicht erst zu „Checks gegen den Kopf“ kommen. Es ist zu hoffen, dass die Gegner einander respektieren und nicht fahrlässig gegen den Kopf checken. Leider mussten diese Saison zahlreiche Spieler mit Schädelhirntraumata vom Eis geführt werden. Es gibt noch viel Arbeit. Wir leisten einen kleinen Teil dazu – nämlich Nackentraining!